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Tagessatz für Freiberufler in Deutschland festlegen

Die meisten deutschen Freelancer:innen verkaufen sich unter Wert. Sie rechnen ihr früheres Bruttogehalt direkt in einen Stundensatz um und landen netto unter dem Angestelltenniveau — ohne Krankenkassen-Zuschuss, Urlaubsgeld oder Lohnfortzahlung. Dieser Guide zeigt den richtigen Weg zum nachhaltigen Tagessatz.

Vom Netto aus rechnen, nicht vom Brutto

Entscheide zuerst, was netto übrig bleiben soll — nach allem. Für eine alleinstehende 35-jährige Person in Berlin, die ein Angestelltengehalt von 75'000 € spiegeln will, sind das ca. 45'000 € netto pro Jahr nach Steuern und Sozialabgaben.

Rückwärts vom Netto zu rechnen ist der einzige ehrliche Ansatz. Wer mit einem «schönen runden Tagessatz» startet, geht typischerweise im dritten Jahr pleite.

Wie viele Tage du wirklich abrechnest

365 Tage minus 104 Wochenenden = 261 Werktage. Davon ab: 9 Feiertage (Berlin), 25 Urlaubstage, 8 Krankheitstage, 30 Tage Admin/Buchhaltung/Akquise und 25 Tage Weiterbildung & unbezahlte Meetings — bleiben ca. 160 abrechenbare Tage. Optimisten rechnen mit 200; die Realität liegt bei 150–170.

Nutze 160 als Planungsgrösse. Mehr bedeutet entweder weniger Urlaub oder weniger Regeneration — beides rächt sich.

Sozialversicherung: die versteckten 22 %

Selbständige in Deutschland zahlen volle Krankenversicherung (~450–900 €/Monat je nach Einkommen und PKV vs. GKV), oft eine Rürup- oder freiwillige Rentenversicherung (~500 €/Monat für eine realistische Rente) und ggf. KSK-Beiträge bei Künstler:innen/Journalist:innen.

Realistischer Gesamtanteil: 18–25 % des Bruttos. Diese Kosten gehören vom ersten Tag an in den Satz — nicht «das schaue ich später».

Einkommensteuer und Sicherheitsmarge

Bei 70'000 € zu versteuerndem Einkommen nach Betriebsausgaben fallen Einkommensteuer plus Soli ca. 18'000 € an — rund 26 %. Die Umsatzsteuer (19 %) ziehst du ein und führst sie ab; sie gehört dir nicht. Stelle B2B-Kunden immer netto, Privatkunden brutto in Rechnung.

5–10 % zusätzlich für Software, Hardware, Coworking, Berufshaftpflicht und den unvermeidlichen 90-Tage-Zahler einplanen.

Die Formel

Tagessatz = (Netto-Ziel + Steuer + Sozialabgaben + Betriebskosten) / abrechenbare Tage. In unserem Beispiel: (45'000 € + 18'000 € + 15'000 € + 8'000 €) / 160 = 537 €/Tag. Auf 600 € runden für Verhandlungsspielraum — 10–20 % Bewegung sind üblich.

Wenn der Markt für deine Skills keine 500–700 €/Tag zahlt, lohnt sich Vollzeit-Selbständigkeit finanziell nicht. Das ist eine wichtige Information.

Was der deutsche Markt 2025 zahlt

Typische Tagessätze: Junior-Dev 450–600 €, Senior-Backend 750–1'000 €, Senior Data/ML 900–1'300 €, UX-Designer 600–900 €, Unternehmensberater 1'200–2'500 €. Berlin und München liegen 10–20 % über Hamburg, Köln und Leipzig.

Public-Sector-Aufträge bei Bahn, Bundeswehr und Ländern zahlen meist unter Markt, bieten dafür lange Laufzeiten. Banken und Pharma zahlen am besten, fordern aber Vor-Ort-Präsenz.

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Häufige Fragen

Freiberufler oder Gewerbetreibender?+

Katalogberufe (Entwickler, Designer, Journalist, Arzt, Anwalt, Beratung in bestimmten Bereichen) gelten als Freiberufler — keine Gewerbesteuer und IHK-Beiträge. Steuerliche Beratung bei Grenzfällen lohnt sich.

Kleinunternehmerregelung — sinnvoll?+

Nur bei Privatkunden. Im B2B-Bereich ist die USt-Option fast immer neutral und du kannst die Vorsteuer ziehen.

Wie kalkuliere ich Retainer vs. Tagessätze?+

Ein Retainer sollte etwa Tagessatz × zugesicherte Tage × ~0,85 betragen — der Aufschlag für Planungssicherheit, den du dem Kunden gibst. Niedriger entwertet die Option, die du verkaufst.

Was ist mit der Rente?+

Du bist nicht automatisch in der gesetzlichen Rente — sofort lösen. Eine Rürup-Rente oder ein günstiger ETF-Sparplan, kalibriert mit dem EuroCalc-Rentenrechner, ist das verantwortliche Minimum.

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