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Was ist Eigenkapital (Shareholders' Equity)?

Das Eigenkapital ist der Residualanspruch auf das Vermögen eines Unternehmens nach Abzug aller Verbindlichkeiten – gleich Aktienkapital plus Reserven plus Gewinnvortrag minus eigene Aktien – und entspricht dem buchmässigen Anteil der Eigentümer.

Last updated: Juni 2026

Das Eigenkapital ist die rechte untere Ecke der Bilanz – was den Eigentümern nach Begleichung aller Gläubiger­ansprüche bleibt. Mathematisch: Eigenkapital = Aktiven − Verbindlichkeiten. Für eine Zürcher GmbH mit CHF 5 Mio. Aktiven und CHF 3 Mio. Verbindlichkeiten beträgt das Eigenkapital CHF 2 Mio.; das ist der Buchwert des Geschäfts.

Das Eigenkapital besteht im europäischen Rechnungswesen aus drei Kern­bausteinen. Aktien­kapital (der nominal eingezahlte Betrag der Aktionäre), Kapital­reserven (Aufschlag über Nominalwert bei der Emission, in der Schweiz auch Agio genannt) und Gewinnvortrag (kumulierte Gewinne abzüglich Dividenden und Verluste). Einige zusätzliche Reserven gelten länder­spezifisch.

Das Eigenkapital ist der Nenner der Eigenkapital­rendite (ROE) und der Residualanspruch, der bestimmt, was Aktionäre bei einer Liquidation, einem Verkauf oder Rückkauf tatsächlich erhalten. Es ist damit das zentrale Konzept, das Buchhaltung und Eigentum verbindet.

Formel
Eigenkapital = Aktiven − Verbindlichkeiten
oder
Eigenkapital = Aktienkapital + Kapitalreserven + Gewinnvortrag − eigene Aktien
Beispiel

Beispiel: Die Bilanz einer Genfer AG weist CHF 8 Mio. Aktiven und CHF 4,8 Mio. Verbindlichkeiten aus. Eigenkapital = CHF 3,2 Mio. Aufgliederung: CHF 100K Aktienkapital + CHF 1,5 Mio. Kapitalreserven + CHF 1,6 Mio. Gewinnvortrag = CHF 3,2 Mio. (keine eigenen Aktien).

Eigenkapital: Die vollständige Definition

Eigenkapital (auch Owners' Equity, Stockholders' Equity, Capitaux propres, Patrimonio netto) ist das buchhalterische Residuum – Aktiven minus Verbindlichkeiten. Die Bilanzgleichung A = V + EK lässt sich zu EK = A − V umstellen. Jede Transaktion berührt diese Identität; das Eigenkapital wächst, wenn Gewinnvortrag steigt, und schrumpft mit Dividenden­zahlungen oder Verlusten.

Drei Bausteine dominieren. Aktienkapital (nominal): der Nennwert der ausgegebenen Aktien – für eine Schweizer GmbH mindestens CHF 20'000, für eine AG mindestens CHF 100'000. Kapitalreserven: über pari eingezahlte Beträge bei der Emission (Agio) plus Kapital­einlage­reserven, die in der Schweiz steuerlich privilegiert sind. Gewinnvortrag: kumulierte nicht ausgeschüttete Gewinne.

Eigenkapital berechnen: Formel und Beispiel

Zwei gleichwertige Ansätze. Die Top-down-Methode: Aktiven minus Verbindlichkeiten. Die Bottom-up-Methode: direkte Summation der Eigenkapital-Bestandteile aus dem Eigenkapital-Block der Bilanz. Beide müssen abstimmen – jede Abweichung deutet auf einen Buchungs­fehler hin.

Durchgerechnetes Beispiel für eine Berliner GmbH: Aktiven EUR 12 Mio. (Cash 2, Forderungen 3, Vorräte 2, Anlage­vermögen 5), Verbindlichkeiten EUR 7 Mio. (Lieferanten 1, kurzfristige Verbindlichkeiten 2, langfristige Verbindlichkeiten 4). Eigenkapital = 12 − 7 = EUR 5 Mio. Bottom-up: Aktienkapital EUR 25K + Kapitalreserven EUR 1 Mio. + Gewinnvortrag EUR 3,975 Mio. = EUR 5 Mio. ✓

Eigenkapital in der Schweiz, Deutschland, Frankreich und Italien

Alle vier Rechtsräume strukturieren das Eigenkapital ähnlich, mit länder­spezifischen Reserven. Schweiz (OR Art. 671): Aktienkapital, gesetzliche Kapitalreserve, gesetzliche Gewinnreserve, freiwillige Gewinnreserven und Gewinnvortrag. Die gesetzliche Kapitalreserve muss 50 % des Aktienkapitals erreichen. Deutschland (HGB §266 III A): Gezeichnetes Kapital, Kapitalrücklage, Gewinnrücklagen (gesetzlich 10 % des Kapitals), Bilanzgewinn.

Frankreich (PCG): Capital social, Primes (d'émission, de fusion), Réserves (légale 10 %, statutaires, autres), Report à nouveau, Résultat de l'exercice. Italien (OIC 28): Capitale sociale, Riserva sovrapprezzo azioni, Riserva legale (5 % des Gewinns bis 20 % des Kapitals), Altre riserve, Utili portati a nuovo. Die Schwellen der gesetzlichen Reserve sind das am stärksten länder­spezifische Element.

Warum das Eigenkapital entscheidend ist

Das Eigenkapital bestimmt, was Eigentümer tatsächlich besitzen. Bei Verkauf, Liquidation oder Rückkauf teilen Aktionäre den Rest nach Gläubiger­befriedigung pro rata. Ein Unternehmen mit negativem Eigenkapital (Überschuldung in der Schweiz und Deutschland) ist sofort insolvenz­antragspflichtig – OR Art. 725 in der Schweiz, InsO §15a in Deutschland.

Es treibt auch die Bewertung. Der Buchwert (= Eigenkapital) ist die Untergrenze; der Marktwert ist für stabile Geschäfte typischerweise ein Vielfaches des Eigenkapitals (1,5–3× für europäische Industrie, 3–8× für Software) oder ein Multiple von Umsatz/EBITDA für Wachstums­geschäfte. Die Eigenkapital­rendite (ROE = Reingewinn / Eigenkapital) misst, wie effizient Eigenkapital Gewinn erzeugt – siehe den Unternehmens­bewertungs-Rechner von MyEuroCalculator.

Eigenkapital vs. Buchwert: Die wichtigsten Unterschiede

Eigenkapital und Buchwert des Eigenkapitals werden üblicherweise synonym verwendet. Streng genommen: Buchwert des Eigenkapitals = Eigenkapital, beides in historischen Anschaffungs­kosten. Der Unterschied wird nur dort relevant, wo Fair-Value-Anpassungen (IFRS 9 Finanz­instrumente, IAS 16 neubewertetes Anlage­vermögen) das Eigenkapital vom reinen Anschaffungs­wert wegbewegen.

Eigenkapital-Komponenten nach Land (Beispiel EUR 500K Aktienkapital)

KomponenteSchweiz (CHF)Deutschland (EUR)Frankreich (EUR)Italien (EUR)
Mindest-Aktienkapital20K (GmbH) / 100K (AG)25K (GmbH) / 50K (AG)1 (SAS) / 37K (SA)10K (SRL) / 50K (SpA)
Ziel gesetzliche Reserve50 % des Kapitals10 % des Kapitals10 % des Kapitals20 % des Kapitals
Jährliche Zuweisung5 % des Gewinns5 % bis Ziel5 % bis Ziel5 % bis Ziel
AusschüttbarFreie Reserven + VortragBilanzgewinnReport + résultatUtili distribuibili

Common mistakes

Eigenkapital mit Cash verwechseln

Eigenkapital ist ein buchhalterisches Residuum; es repräsentiert keinen verfügbaren Cash. Ein Unternehmen mit EUR 5 Mio. Eigenkapital kann EUR 100K Cash und EUR 4,9 Mio. in Anlagevermögen und Forderungen gebunden haben.

Warn­signale bei negativem Eigenkapital ignorieren

Unter 50 % des Aktienkapitals verlangt OR Art. 725 die Einberufung der Generalversammlung; unter null sofortige Sanierung. Deutsches InsO §15a löst in 3 Wochen aus. Nicht warten.

Buch-Eigenkapital und Marktkapitalisierung vermischen

Buch-Eigenkapital ist historische Anschaffungs­kosten; Marktkapitalisierung ist das, was Investoren heute zahlen. Für Software­unternehmen können sich beide um das 10–20-fache unterscheiden.

Eigene Aktien als Aktivum behandeln

Zurückgekaufte eigene Aktien reduzieren das Eigenkapital (negativer Posten), sie sind kein Aktivum. Häufiger Fehler in nicht professionellen Abschlüssen.

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Verwandte Begriffe

Häufige Fragen

Was ist Eigenkapital?+

Eigenkapital ist der Residualanspruch auf das Vermögen eines Unternehmens nach Abzug aller Verbindlichkeiten. Es entspricht Aktienkapital plus Reserven plus Gewinnvortrag minus eigene Aktien.

Wie berechne ich das Eigenkapital?+

Zwei Methoden: Verbindlichkeiten von den Aktiven abziehen (Top-down) oder Aktienkapital + Reserven + Gewinnvortrag − eigene Aktien direkt aus dem Eigenkapital-Block summieren (Bottom-up). Beide müssen abstimmen.

Was ist negatives Eigenkapital?+

Negatives Eigenkapital (Verbindlichkeiten > Aktiven) bedeutet technische Überschuldung. Schweizer OR Art. 725 und deutsches InsO §15a verpflichten den Verwaltungs­rat zu sofortigen Anzeigen. Das ist ein ernsthafter rechtlicher Auslöser, nicht nur ein buchhalterischer Indikator.

Wie unterscheidet sich Eigenkapital von der Marktkapitalisierung?+

Eigenkapital ist Buchwert zu historischen Anschaffungs­kosten; Marktkapitalisierung ist das, was Investoren heute zahlen. Für Software­unternehmen liegt die Lücke oft beim 10–20-fachen; für stabile Industrie bei 1,5–3×.

Was ist die gesetzliche Reserve im europäischen Rechnungswesen?+

Jeder Rechtsraum verlangt eine nicht ausschüttbare Reserve, die aus dem Jahresgewinn bis zu einer Schwelle gespeist wird – Schweiz 50 % des Aktienkapitals, Deutschland 10 %, Frankreich 10 %, Italien 20 %. Sie schützt Gläubiger vor Eigenkapital­abfluss.