Die Formel — und warum sie nach oben kippt
Die Formel lautet EW = AW × (1 + r/n)^(n·t), mit AW = Anfangswert, r = Jahreszins, n = Verzinsungsperioden pro Jahr, t = Jahre. Der Exponent macht die berühmte Hockey-Stick-Kurve.
Probieren: CHF 10'000 zu 6 % jährlich werden nach 10 Jahren CHF 17'908, nach 20 CHF 32'071, nach 30 CHF 57'435. Jede Dekade wächst um Faktor ~1,8 — dieses wachsende Wachstum ist der ganze Witz.
Warum Zeit den Zins schlägt
Zwei Sparer. Anna legt von 25–35 jährlich CHF 5'000 an (insgesamt CHF 50'000) und stoppt. Ben legt von 35–65 jährlich CHF 5'000 an (insgesamt CHF 150'000). Beide erhalten 7 %. Mit 65 hat Anna CHF 562'000, Ben CHF 540'000. Anna investierte ein Drittel und besitzt mehr — weil ihr Geld 30 Jahre länger verzinst wurde.
Konsequenz: Ein früher Start ist mathematisch unersetzlich. Ein später Start kann nur durch viel höhere Einzahlungen oder mehr Risiko kompensiert werden.
Real vs. nominal
7 % klingen super, bis die Inflation einen Teil frisst. Bei 2,5 % Inflation wächst die reale Kaufkraft nur um (1,07 / 1,025) - 1 = 4,4 %. Über 30 Jahre bleibt CHF 36'000 in heutiger Kaufkraft, nicht CHF 76'000.
Plane Vorsorge und Langzeitziele immer real. Der EuroCalc-Zinseszinsrechner erlaubt eine Inflationsrate, um den Realwert direkt zu sehen.
Die Kraft regelmässiger Einzahlungen
Eine einmalige Einlage von CHF 10'000 zu 6 % über 30 Jahre ergibt CHF 57'000. Dieselben CHF 10'000 plus CHF 500/Monat über 30 Jahre ergeben rund CHF 560'000 — das Zehnfache. Zeit ist der Treibstoff, Einzahlungen die Masse.
Deshalb funktioniert Säule 3a so gut: erzwungene monatliche Übertragungen verzinsen sich jahrzehntelang. Ein Jahr Aussetzen früh in der Karriere kostet mehr als ein Jahr kurz vor der Pensionierung.
Wie Gebühren still gegen dich arbeiten
Gebühren klingen klein — 0,8 % hier, 1,5 % dort. Aber sie wirken jedes Jahr und kumulieren. CHF 100'000 zu 7 % über 30 Jahre = CHF 761'000. Dasselbe bei 5,5 % (nach 1,5 % Gebühr) = nur CHF 498'000. 35 % des Endwerts weg, obwohl die Gebühr bescheiden wirkte.
Kostengünstige Indexfonds (ETF zu 0,05–0,25 %) sind eine der wirkungsvollsten Entscheidungen im Finanzleben. Die 72er-Regel hilft: 72 / Zins ≈ Jahre bis zur Verdoppelung. Bei 7 % verdoppelt sich Geld alle ~10 Jahre; bei 5,5 % ~13.
Umsetzung im Alltag
Für die meisten Europäer/innen: Zuerst steuerbegünstigte Gefässe maximieren (Säule 3a in CH, Riester/ETF-Sparplan in DE, PER/PEA in FR, fondo pensione/PIR in IT), dann breit gestreute Welt-ETFs im normalen Depot. Wähle Beträge, die du auch in schlechten Jahren halten kannst — Konstanz schlägt Heldentum.
Berechne dein Vermögen
Setze Startkapital, Monatsbeitrag, Renditeerwartung und Inflation, um den realen Endwert zu sehen.
Zinseszinsrechner öffnen →Häufige Fragen
Täglich, monatlich oder jährlich verzinst — spielt das eine Rolle?+
Kaum. Bei 6 % jährlich ergeben sich monatlich 6,17 %, täglich 6,18 % effektiv. Der Effekt ist klein gegenüber der Sparrate.
Welche Rendite ist langfristig realistisch?+
Ein breit diversifiziertes Aktienportfolio brachte ~7 % real (~10 % nominal) im Schnitt. Plane mit 5–7 % real, nicht mit 10 %.
Dividenden einrechnen?+
Ja — historische Aktienrenditen schliessen wiederangelegte Dividenden ein. Werden sie konsumiert, sinkt die effektive Verzinsung um 1,5–2 %.
Wie umgehe ich Crashs?+
Die Formel nimmt einen stetigen Zins an, der Markt liefert ihn nicht. Verwende Durchschnitte, erwarte Schwankungen, zahl weiter ein — gerade in Tiefphasen kauft jeder Franken am meisten Anteile.
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