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Was ist Steueroase?

Eine Steueroase ist ein Staat mit sehr niedriger oder Nullbesteuerung, strenger Finanzgeheimhaltung und minimalen Substanzanforderungen, der legal für internationale Strukturierung und illegal für Steuerhinterziehung und Geldwäsche genutzt wird.

Klassische Steueroasen: Kaimaninseln, Bermuda, BVI, Jersey. EU und OECD führen Listen unkooperativer Staaten; Druck seit 2016 (CRS, BEPS, Pillar Two) hat das Bankgeheimnis dramatisch reduziert. Die Schweiz ist keine traditionelle Steueroase mehr — sie tauscht Finanzkontoinformationen automatisch mit über 100 Staaten aus.

Legitime Nutzung: Holdinggesellschaften für internationale Lizenzen, Captive-Versicherer, Fondsvehikel, Family Offices. Illegale Nutzung: nicht erklärte Konten verstecken, Scheinrechnungen, aggressive Verrechnungspreise — heute alle durch automatischen Informationsaustausch, Transparenzregister und Country-by-Country-Reporting erfasst.

Die 15 % OECD-Mindeststeuer (Pillar Two, seit 2024) hat den Reiz reiner Satz-Arbitrage für große Multinationals deutlich reduziert: Mutterländer erheben Top-up-Steuer, um effektive Sätze unabhängig vom Buchungsort auf 15 % zu bringen.

Beispiel

Multinational bucht EUR 100 Mio. Gewinn in Bermuda-Tochter ohne operative Substanz. Vor 2024: 0 %. Nach Pillar Two: Mutterland erhebt 15 % Top-up = EUR 15 Mio., Steueroase-Vorteil weg.

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen

Ist Steueroasen-Nutzung illegal?+

An sich nein — aber Nichtdeklaration, Hinterziehung und Verschleierung sind in jedem G20-Staat illegal.

Ist die Schweiz noch eine Steueroase?+

Nein — CRS automatischer Austausch, Pillar Two unterzeichnet. Niedrige Kantonssätze bleiben, aber volle Transparenz.

Was ist CRS?+

Common Reporting Standard: OECD-geführter automatischer Austausch von Finanzkontoinformationen zwischen 100+ Staaten.